Keine falsche Scheu

Ein plötzlicher Herzstillstand ist ein medizinischer Notfall, der Minuten kostet. Schnelle Herzdruckmassage kann über Leben und Tod entscheiden. Allerdings zeigt sich in der Praxis ein beunruhigendes Muster: Frauen, die in der Öffentlichkeit kollabieren, werden weniger häufig reanimiert als Männer – und haben daher schlechtere Überlebenschancen. Diese Ungleichheit wird oft auf unbewusste Vorbehalte zurückgeführt.
Die Gründe sind vielfältig. Zum einen könnte Unsicherheit eine Rolle spielen – manche Menschen befürchten möglicherweise, dass sie bei einer Frau etwas falsch machen könnten oder dass eine Reanimation als zu aggressiv wahrgenommen wird. Zum anderen könnte ein unbewusster Geschlechterbias dazu führen, dass der Herzstillstand bei einer Frau zunächst als weniger lebensbedrohlich eingestuft wird. Es gibt auch Berichte, dass Helfer zögern, die Kleidung zu öffnen oder die Brüste von Frauen freizulegen, um Elektroden oder Reanimationspads anzubringen – ein Zögern, das tödliche Sekunden kostet.
Medizinisch gibt es keinen Unterschied: Herzdruckmassage funktioniert bei Frauen genauso gut und genauso notwendig wie bei Männern. Das Verfahren ist das gleiche, die Anatomie unterscheidet sich nicht so sehr, dass andere Regeln gelten würden. Eine Frau in Herzstillstand braucht genauso schnell und genauso kräftig Herzdruckmassage wie ein Mann.
Wer Zeuge eines Herzstillstands wird – egal bei welchem Geschlecht – sollte ohne zu zögern handeln. Notruf absetzen, die Person auf den Rücken legen, bei Bedarf Kleidung öffnen und sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Die Geschwindigkeit und Entschlossenheit zählen, nicht die Zurückhaltung.
Kurse in Erste Hilfe und Herzdruckmassage sind für alle empfehlenswert. Sie bauen nicht nur handwerkliche Sicherheit auf, sondern auch Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – und das kann im Notfall Leben retten, unabhängig vom Geschlecht der Person in Not.
Hinweis: Diese Information ersetzt keine ärztliche Beratung oder Erste-Hilfe-Ausbildung.