Sehschärfe beim Schielen retten

Schielen ist ein häufiges Problem im Kindesalter, das oft mit einer Brille korrigiert wird. Bei vielen Kindern folgt dann eine klassische Behandlungsstrategie: mehrere Monate die Brille tragen, um die Brechkraft der Augen auszugleichen, und danach das gesunde Auge abkleben – auch Okklusionstherapie genannt. Durch das Abkleben wird das schwächere Auge zum Arbeiten gezwungen und kann sich so besser entwickeln.
Diese bewährte Methode hat sich lange Zeit als Standard etabliert. Doch aktuelle Erkenntnisse deuten darauf hin, dass ein früherer Beginn der Okklusionstherapie – also das Zukleben des gesunden Auges – deutlich bessere Ergebnisse für die Sehschärfe bringen kann. Wenn man nicht zu lange wartet, sondern schon früher mit dem gezielten Training des schwachen Auges beginnt, kann sich dessen Sehschärfe besser entwickeln.
Der Grund liegt darin, dass die visuelle Verarbeitung im Gehirn in den ersten Lebensjahren noch sehr plastisch ist. Je früher das betroffene Auge trainiert wird, desto besser kann sich die neuronale Verbindung zwischen Auge und Gehirn ausbilden. Eine zu lange Wartezeit bedeutet, dass das kritische Fenster dieser Entwicklung teilweise ungenutzt verstreicht.
Eltern sollten daher mit ihrem Augenarzt oder ihrer Augenärztin besprechen, ob eine frühere Okklusionstherapie sinnvoll ist. Dies erfordert zwar Geduld und Durchhaltevermögen – denn das Kind wird vermutlich protestieren, wenn sein gutes Auge abgeklebt wird – aber die langfristigen Chancen auf besseres Sehen sind es wert. Regelmäßige Kontrollen helfen dabei, den Fortschritt zu überwachen.
Mit modernen transparenten Verbandsmaterialien und altersgerechter Unterstützung lässt sich die Therapie heute deutlich besser bewältigen als früher. Die investierte Zeit zahlt sich in Form einer besseren Sehkraft aus, die das Kind sein ganzes Leben begleitet.
Hinweis: Diese Information ersetzt keine Beratung durch einen Augenarzt oder eine Augenärztin.